Das Eröffnungskonzert im Urteil der Presse

Homburg. Als glanzvolles gesellschaftliches Ereignis wurden die Internationalen Kammermusiktage Homburg am vergangenen Dienstag im Kulturzentrum Homburger Saalbau eröffnet. Sibylle Kößler, die neue Vorsit-zende der Kammermusikfreunde Saarpfalz e.V. als Veranstalter des Festivals, begrüßte ein volles Haus. Sie dankte ihrem Vorgänger Balthasar Weinheimer für seine großen Verdienste um die Gründung und Organisation der Kammermusiktage in den letzten 20 Jahren, den Familien Feifel und Rockenbach für ihr Engagement sowie allen Vereinsmitgliedern, die sie bei den Vorbereitungen unterstützt hätten wie Rolf Petzold oder Walther Jahrreiss. Ihr Dank galt auch den vielen in der Festschrift genannten Förderern und Sponsoren, dem Saarpfalzkreis mit Landrat Dr. Gallo als Schirmherr sowie der Stadt Homburg. Oberbürgermeister Schneidewind sprach ein Grußwort und freute sich, „bei einem Eröffnungskonzert noch nie so viele Musikbegeisterte erlebt“ zu haben. Das Vogler Quartett eröffnete den Programmreigen mit dem späten, nach Jürgen Ostmann „altersweisen“ Streichquartett G-Dur op. 77/1 von Joseph Haydn (1732-1809) aus dem Jahre 1799. Man spürte im brillanten Spiel der Geiger Tim Vogler und Frank Reinecke, des Bratschers Stefan Fehlandt und des Cellisten Stephan Forck, wie vertraut ihnen das Werk ist, seine Galanterien nach Art von Mozarts großen Da-Ponte-Opern, seine harmonischen und agogischen Kühnheiten, die offensichtlich den ehemaligen Schüler Beethoven im Blick hatten. Die Zuhörer applaudierten einem beglückenden Musizieren auf höchstem Niveau. Nach dem Lehrer Haydn kam sodann der Schüler Ludwig van Beethoven (1770-1827) mit seiner vierten und vorletzten Cellosonate C-Dur op. 102/1 zu Wort. Mit ihr trat er 1815 selbst in eine altersweise Lebens- und Schaffensphase ein. Nach Julian Steckel 2008 und Wen-Sinn Yang im Januar dieses Jahres stellten sich der junge Cellist Mischa Meyer und sein Klavierpartner Caspar Frantz im Saalbau erneut den großen technischen und musikalischen Anforderungen dieser „Freyen Sonate“, wie Beethoven selbst ihre komplizierte Struktur zwischen klassischer Form und freier Fantasie umschrieb. Sie taten es mit leidenschaftlich virtuosem Zugriff im Kopfsatz, indem sie die zu erwartende Lied-haftigkeit im Adagio-Satz in wenigen Episoden nur andeuteten und mit hinreißend ausgespielten Überraschungseffekten im Finalsatz. Dafür wurden sie mit tosendem Beifall mehrmals zur Bühne gerufen. „Alterweisheit“ bei Haydn und Beethoven machte zuletzt Platz für das „jugendfrisch“ wirkende Streichsextett B-Dur op. 18 des 26-jährigen Johannes Brahms (1833-1897). Es geriet zum umjubelten Finale des Eröffnungskonzertes. Mit dem Vogler Quartett musizierten so ausgelassen wie perfekt im Zusammenspiel die Bratscherin Tatjana Masurenko und der Cellist Mischa Meyer. Die Begeisterung bei der Uraufführung des mitreißenden Werkes 1860 in Hannover wurde in Homburg an Lautstärke sicher noch übertroffen! Wie geht es weiter? Heute Abend, 20 Uhr gastieren die Inter-nationalen Kammermusiktage Homburg im Konzertsaal der neuen Musikschule in der Schongauer Straße 1 mit einem spannenden Komponistenporträt des türkischen Baglama-Virtuosen und Komponisten Taner Akyol. Am morgigen Freitag erklingt ab 20 Uhr mit dem Vogler Quartett in der protestanischen Stadtkirche Bachs letztes kompositorisches Vermächtnis, die „Kunst der Fuge“ mit dem Schlusschoral „Vor deinen Thron tret’ ich hiermit“. Am Samstagmorgen, 11 Uhr beginnt in der Zweibrücker Fasanerie ein „Lesungskonzert“ rund um Tolstois Meistererzählung „Die Kreutzersonate“ und Kompositionen mit gleichem Titel von Beethoven und Janáček. Die Ausführenden sind das Vogler Quartett, der Pianist Caspar Frantz und der aus Homburg stammende Schauspieler Till Weinheimer. Mit Konzerten am Sonntag, 18 Uhr und am Montag, 11 Uhr klingen im Saalbau die Internationalen Kammermusiktage aus. Paul O. Krick