Saarbrücker Zeitung am 6.9.16 ©Christine Maack

"7 Tage voller Musik"  – Ist ein Ton verklungen, ist er weg. Denkt man. Stimmt aber nicht, denn das menschliche Gehirn fasst Klänge anders auf als beispielsweise Wörter und Buchstaben. „Jede Minute versuchen wir, musikalische Momente zu erschaffen, die unwiederbringlich sind“, sagte gestern der Violonist Tim Vogler anlässlich der Vorstellung des Programms der Kammermusiktage.
Besondere Klänge bleiben im Gedächtnis haften, und Musiker, die diese Erinnerungen beim Zuhörer schaffen, gehören zu den Meistern ihres Fachs. Wie bei den kommenden Kammermusiktagen vom 27. September bis 3. Oktober, bei denen neben dem großartigen Vogler-Quartett auch Solisten ersten Ranges auftreten. Zum Beispiel Mischa Meyer (Violoncello), Caspar Frantz (Klavier), Tatjana Masurenko (Viola) und Zoltan Kovacs (Klarinette). Dazu kommen das Taner Akyol-Trio sowie das Silver-Garburg-Duo am Klavier – und der Schauspieler Till Weinheimer. Das Programm sei sehr komprimiert, betonte Sibylle Kössler, die Vorstandsvorsitzende des Vereins der Kammermusikfreunde Homburg: „Jeden Tag steht ein anderes Konzert auf dem Programm, jeder Tag bietet einen musikalischen Höhepunkt.“

Tim Vogler, der die Vorstellung der Kammermusiktage mit kleinen musikalischen Einlagen auf seiner Violine begleitete, machte Lust auf mehr: „Die Kunst der Fuge ist ein gigantisches Werk, es sind 23 ineinander verschachtelte Fugen, alle aus dem selben Material, ein Akkord und eine Tonleiter, die in einem unglaublichen Maße variiert werden.“ Das ergebe eine „einzigartige Atmosphäre der Stille und der Meditation.“

Und dazu spielte Vogler das maßgebliche Grundthema der Kunst der Fuge kurzerhand auf seiner Violine vor. Man hätte sich gewünscht, er hätte weitergemacht, aber das Konzert wird nun mal erst am 30. September zu hören sein.

Wie immer, bemühen sich die Veranstalter, möglichst viele junge Leute mit ins Boot zu nehmen, übrigens bei freiem Eintritt. Die öffentlichen Proben sind ohnehin für alle Bürger frei zugänglich, auch Schulbesuche der Musiker stehen wieder an, um Kinder mit klassischer Musik vertraut zu machen. Ilse Rohr, die im Beirat der Kammermusikfreunde sitzt, betonte, wie wichtig für Kinder die Begegnung mitMusik sei, und Christine Becker, Homburger Sozialdezernentin, bedauerte, dass „es so viele Kinder gibt, die noch nie ein Musikinstrument in der Hand hatten.“ Deshalb seien die Bemühungen des Vogler-Quartetts, in die Schulen zu gehen, nicht hoch genug einzuschätzen. Sabine Bleyer, Leiterin der Gemeinschaftsschule Sandrennbahn, war gestern ebenfalls zur Pressekonferenz gekommen: „Ich habe einen klaren Auftrag, ich muss die Bildung meiner Schüler fördern. Musik gehört dazu“. Nicht verpassen sollte man am 1. Oktober ein Lesungskonzert: In der Fasanerie in Zweibrücken liest Till Weinheimer aus Tolstois Kreutzersonate, danach werden zwei musikalische Fassungen zu diesem Thema zu Gehör gebracht: Auszüge aus Beethovens Violinsonate Nr. 9 A-Dur und Janáceks Streichquartett Nr. 11. Ein Geheimtipp ist der türkische Künstler Taner Akyol aus Berlin, der am 29. September um 20 Uhr in der Musikschule spielt – auf einem türkischen Traditions-Instrument, einer speziellen Langhalslaute.